Archive for May, 2010

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er gute König Wladyslaw trat entschlossen vor die Abgeordneten der Stände Polens. Er hatte ihnen etwas zu sagen, was keinen Aufschub duldete.

“Verehrte Standesführer, Gildenmeister, Obermeister”, er räusperte sich. Er würde es ihnen hier und heute ganz offen verkünden – die Nachricht musste überbracht werden.

“In meiner Einschätzung sind wir insgesamt auf dem Wege, in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Größe, mit dieser Außenhandelsabhängigkeit, auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren – zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch negativ auf unsere Chancen zurückschlagen, bei uns durch Handel Arbeitsplätze und Einkommen zu sichern. Alles das soll diskutiert werden – und ich glaube, wir sind auf einem nicht so schlechten Weg.”

Die Vertreter der Stände hatten seine Worte gehört, aber offenbar noch nicht begriffen. Wladyslaw wusste, was zu tun war.

“Meine Herren Standesfürsten, was ich meine ist: Die Städte Skara und Arensburg sind von Rebellen besetzt und somit destabilisiert. Das muss Enden! Mein Sohn Boleslaw führt in diesen Tagen ein Herr gegen Kalmar, General Bohemund wird in Kürze gegen Arensburg ausrücken. Die Stände mögen sich über neue Handelsposten und Warenlieferungen freuen und bis dahin unsere offensive Aussenhandelspolitik durch erhöhte Abgaben unterstützen.”

Zufrieden verließ Wladyslaw die Sitzung. Er hatte noch einen wichtigen Termin vor sich, immerhin kam vor wenigen Tagen das zweite Kind seines Erstgeborenen zur Welt. Er konnte es kaum erwarten die kleine Katharzina in seine Arme zu schließen. Eines Tages, wenn er sich zur ewigen Ruhe gesetzt und Bohemund König von Polen wäre, würde Katharzina von Polen eine Prinzessin und ihrer Tante Agnes eine würdige Nachfolgerin sein. Der gute König lächelte.

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uke Gorgio saß mal wieder in seinem Amtszimmer und studierte die Berichte seiner Diplomaten. Er war ob der Ergebnisse der Verhandlungen doch sehr erfreut, auch wenn nicht hundertprozentig zufrieden. Innerhalb kürzester Zeit konnten Handelsrechte mit dem Heiligen Römischen Reich, eine Allianz mit Handelsrechten mit dem Königreich Kastillien und auch eine Allianz mit dem Königreich Polen geschlossen werden. Doch leider hatte der unerfahrene polnische Diplomat Casimir Olicki vergessen, die Dokumente zu unterzeichnen, welche die Handelsbeziehungen, militärischen Zugang und den Austausch aktueller Karten zwischen dem Polnischen Königreich und dem Königreich Mailand regeln sollten. Sie wurden ihm unterzeichnet von Duke Gorgio per Boten nachgesandt in der Hoffnung, dass sie baldmöglichst das Siegel des Königreichs Polen zieren möge.

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olen, Winter Anno Domini 1183

Wladyslaw kannte diese Momente und er hasste sie. Seine Tochter, Agnes von Polen, hatte ihm eine Nachricht zukommen lassen. Sie teilte ihm mit, dass sie nach langen Verhandlungen mit dem Deutschritterorden zu einer Übereinkunft gekommen sei.

“Wir stehen nun also auf derselben Seite, die Hornhelmträger und ich” dachte sich unser guter König. Ungläubig schüttelte er den Kopf. Ausgerechnet er, der die Teutonenritter mied wie der Lithauer die Arbeit, musste sich mit diesen religiösen Fanatikern arrangieren. Doch Agnes hatte recht, dass wusste er. Zusammen mit den Deutschrittern würde Polen die Westküste der Lithauer angreifen können – und die Chancen auf Sieg standen gar nicht schlecht.

Weitere Kunde erreichten unseren König. Späher berichteten, dass Stockholm von den Norwegern genommen wurde. Somit verblieben nur noch zwei Küstenstädte der Ostsee in der Hand von Rebellen. Jede Nation, die weiter wachsen wollte, würde dies auf Kosten ihrer Nachbarn tun müssen.

Wladyslaw hob sein Haupt. Er war fest entschlossen, sein Polen an die Spitze der nordeuropäischen Nationen zu führen. “Schreiber, zu mir” donnerte er in befehlsgewohntem Ton durch die Halle. “Bestellt den Hauptmännern, dass der König eine Heerschau wünscht. Polen zieht in den Krieg.”

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it einem Lächeln verließ Sibylla die große Halle. Sie hatte die Allianz mit Byzanz besiegeln können. Es waren zähe Verhandlungen, aber letztlich konnte sie nicht nur das Abkommen entgegennehmen, sondern auch noch einige schmeichelnde Komplimente. Doch während sie die Steinstufen hinabstieg, musste sie wieder mit Sorge an ihren Bruder, den König denken.

Armee des al Mutawakkil Hosni

Kurz vor den Verhandlungen wurde ihr berichtet, dass der König erneut auf Invasoren aus Ägypten getroffen war. Gott sei dank war ihrem Bruder nichts passiert, al Mutawakkil Hosni – ein Mitglied der ägyptischen Königsfamilie – und General Medhat Hossman hatten weniger Glück. Sie wusste, es hätte auch ihren Bruder treffen können.

Angesichts der Truppenstärke der ägyptischen Armee* war Sibylla dankbar dafür, dass ihr Bruder ein solch hervorragender Feldherr war. Sie ordnete ihre Gedanken: “Ich muss nach vorne Blicken. Bald bin ich in Rom, und ich hoffe, dort weitere Bündnisse abschließen zu können. Der Krieg in meinem Land muss aufhören.”

*Man beachte den Scrollbar am rechten Rand.

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er türkische “anti-geruchsneutrale” General Kaikubad und seine 1200 Mannen hatten sich den Plan Edessa einzunehmen sicherlich einfacher vorgestellt. Einen Gegner zu unterschätzen hatte schon viele Generäle in den Strudel des Abgrunds befördert – so auch in der entscheidenden Schlacht um Edessa. Der müffelnde General hatte sowieso schon viel zu lange eine Dunstwolke über Edessa verbreitetet, dachte sich Guiot de Bordeaux – erster Befehlshaber, der sonst so reinen Burg. So trug es sich zu, dass in einer Nacht und Nebel Aktion Guiot ein Meisterstich gegen das türkische Heer gelang. Er zerschmetterte gleich 3 türkische Heere und vertrieb insgesamt über 1200 Feinde aus dem Fürstentum bis weit hinter die Grenzen. Jedenfalls scheint jetzt der Weg nach Osten und damit nach Mosul endlich frei.

Als Bohemund von der freudigen Kunde hörte, hielt er sofort inne und schaute sich voller Wohlwollen die untergehende Abendsonne am türksichen Horizont an.

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er Intervention unserer Verbündeten aus Venedig ist es zu verdanken, dass der Krieg mit dem Heiligen Römischen Reich beendet ist. Auch konnten die diplomatischen Beziehungen zum Vatikan vertieft werden. Zwischen beiden Staaten wurde eine Allianz vereinbart.

Die Truppen unseres Königreichs belagern jetzt die Festung Cagliari und hoffen sie in nächster Zeit erobern zu können. Außerdem befinden sich jetzt zwei unserer Attentäter auf dem Weg um einen Geheimauftrag zu erfüllen.

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ine Woche war seit dem heiligen Vatertag vergangen. Eine Woche war es her, seit König Wladyslaw das letzte Mal in Ruhe Zeitung gelesen hatte.

Erschöpft von der Siegesfeier ob der Befriedung von Kalmar sank der gütige Herrscher in seinem Thron zusammen, sich nach Ruhe und einer Zeitung sehnend. Er schwang die Füße hoch und griff beherzt zu PoDo, der polnischen Zeitung, die zu jedem Thema eine Meinung hat. Neben Olga, 19, zierte diesmal seine Tochter Agnes die Titelseite. Das fing ja gut an…

Agnes im Strudel der Gefühle

PoDo berichtet vom Skandal um Prinzessin AvP

Unser guter König überflog die Zeitung: Agnes … im Strudel der Gefühle … Affäre …. posen in Posen …. der deutsche Michel sticht zurück … Deutschland fällt über Polen her

“Schreiber, zu mir!” donnerte der König. “Richtet meiner Tochter aus, sie möge sich gefälligst in der Öffentlichkeit zusammenreissen. Und meldet Hauptmann Banaszak, er möge die Redaktionsräume von PoDo niederbrennen. Außerdem sendet Nachricht zu meinen Freunden in Mailand. Sie sollen Ausschau halten nach einer deutschen Prinzessin namens Agnes. Sagt ihnen, es kann nur meine Agnes geben. Sie wissen dann schon, was zu tun ist.”

[
Riesenskandal und ein bißchen Friede: der Übersetzer]

Das sind ja Abgründe grosso – was unser Priester dort mitten in der Pampa feststellen mußte. Fortunamente hatte er seinen Maler favorito mit auf seinen Reisen, der dies alles zwecks Beweissicherung festhielt. Leugnen ist zwecklos, Padrone aus Polonia! Eure princesca… *luftschnapp* Ichä brauche erstä mal un Grappa fantastico!

Aber es gibt auch anderes Interessantes. HRE zahlte 500 Goldstücke, um eine Allianz mit uns einzugehen. Venezia als Friedensstifter – basta!

P
olen, Winter Anno Domini 1182

Der Chef der königlichen Sicherheit wurde ermordert in der Nähe von Krakau aufgefunden. Als Tatwaffe machten die ermittelnden Beamten ein schottisches Claymore aus, ein besonders grausames und handfestes Zweihandschwert aus dem Norden der britischen Insel. Es wird vermutet, dass ausländische Attentäter einen Anschlag auf den König verüben wollten und der Sicherheitschef dies mit seinem Leben vereitelte.

Neuer Verantwortlicher für die Sicherheit im Thronsaal ist ab sofort  Ziemowit Banaszak. Herr Banaszak wurde vom König höchstselbst erwählt und auch sogleich in den Kreis der Familienmitglieder aufgenommen.

Die Bande zu Dänemark wurden ebenfalls verstärkt. Südlich von Marienburg trafen sich ein dänischer Gesandter und die polnische Chefdiplomatin Agnes zu Verhandlungen ob einer gemeinsamen Allianz. Nach insgesamt 7 Verhandlungsrunden verkündeten die beiden, dass Dänemark und Polen von nun an gemeinsam für Sicherheit und Stabilität in der Ostseeregion sorgen.

Zu guter Letzt bleibt noch die Operation “Kalmar Shield” zu erwähnen. Der treue General Boleslaw steht mit seinen Truppen bereit, im nächsten Sommer die Stadt Kalmar zu befrieden. Der Segen des Herrn sei mit ihm!

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ach einigen Tagen Langeweile und zuviel Ablenkung durch Dolce Vita meldet sich der Doge höchstselbst zu Wort:

“Völker der der Welt! Schaut auf diese … ähem … no … das ist ä andere Zeit und ä anderä Ort. Nochmal: Buongiorno Signori! Während ich bei einem piccolo gelato in einer Gondola lustwandelte, hetzten zwei Kundschafter auf ihren motovedetti herbei und brachten mein Gefährt in molto fluttuamento. Sie berichteten mir von zwei Städten in der Nähe, die sie auf ihre Inhalte untersucht hatten. Zudem wurde eine Alleanza mit den Mafiosi aus Sicilia geschlossen. Bei diese Stress musse Doge erst einmal schiacciare un pisolino halten. Unmöglich, dieses Fußvolk!”

Arrivederci!

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ntiochia, Winter Anno Domini 1182

Unsere Eminenz nimmt zuweilen gern mal ein Bad in der Menge. Denn selbst im Winter wird es derweil kaum kälter in unserer staubigen Region. Ein bisschen anders hatte sich das unser frömmlichster Raymond Oudet  – gelob Gott – wohl doch vorgestellt. “Das Bad” war ein übel nach Zwiebel und Schweiss riechender türkischer General, der zwar “das Bad” gleich mitgebracht hatte in seinem Namen – scheinbar machte dieses jedoch keinen Unterschied. General Kaikubad roch übeler als der alte verottete Schimmelkäse der letzten Jahresfeier. “Überlegt es euch gut, gegen unser geheiligtes Burgesgut Edessa vorzugehen, Herr von Bademeister”, stammelte Oudet in sicherer dennoch nicht geruchsneutraler Entfernung zu dem Reicheswidersacher.

Guiot de Bordeaux führte sein Herr sofort wieder Richtung Edessa, als er von dem Einmarsch von Kaikubad hörte. “Wir halten uns in Lauerstellung und beobachten unseren Feind. Wohlgemerkt in sicherer geruchsneutraler Distanz, meine Herren”. Ein Raunen ging durch die Reihen und ein gefälliger Kommentar eines kleinwüchsigen Kreuzritters beschloss die Runde. “Hätte ich doch meinem Weib noch ein paar Wäscheklammern für unsere Kolben entlocken können.”

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olen, Sommer Anno Domini 1182

Der große Feldherr Boleslaw schreibt an seinen König:

Verehrter Herr, ihr hattet mir aufgetragen, Kunde von meinem Sieg über Visby zu senden, sobald er vollendet ist. Fürwahr, das Schlachtenglück war Polen hold. Visby ist gefallen!

Wie es euer Wunsch war, haben wir weder geplündert noch gemordet – mäßig ist daher auch der Goldschatz, den ich euch mit diesem Boten schicke.

Eurem Wunsche gemäß sende ich ebenfalls die Bauernmädchen. Jedoch, Herr, ihr müsst wissen: Visby ist eine sehr vom Seehandel geprägte Stadt und hatte gar keine Bauern. Wir haben die Mädchen daher aus dem nahen Stockholm… kommen… lassen.

Untertänigste Grüße von der Front sendet

Euer zweitgeborener Sohn und General Boleslaw

M
ein Herr und König!” keuchte Alon, als er die Treppen in Ascalon hinaufstürmte. Es ist ein früher Sommermorgen im Jahre 1182, und Baldwin ist schon lange wach. Er erwartet Alon bereits mit seinen Neuigkeiten. Und er vermutet, dass es keine guten Neuigkeiten sein werden.

“Zwei große Heere bewegen sich Richtung Osten. Das erste Heer wird bereits heute die Grenze überschreiten und sich Richtung Ascalon bewegen.” Baldwin überlegt kurz. Handelt es sich um eine Finte? Wollen die Ägypter nur provozieren, oder bewegt sich tatsächlich eine Angriffsarmee in das Königreich Jerusalem? “Wie groß sind die Armeen?” hakt er nach. “Zusammen über 1000 Mann. Die Zweite wird von al Mutawakkil Hosni aus königlichem Hause angeführt.” Baldwin schaut aus dem Fenster in Richtung der aufgehende Morgensonne. Er dreht sich zu Alon: “Lass’ die Truppen sich bereit machen. Sobald sie die Grenze überschreiten, greifen wir an. Noch bevor sich die Armeen vereinigen können.”

Zwei Tagesmärsche später stoßen die Vorabkundschafter auf Höhe von Al Suways auf die erste Armee. Die ägyptische  Armee ist gut aufgestellt, dass muss Baldwin eingestehen. Daher lässt er seine Truppen einen Nachtangriff vorbereiten. Der Kampf ist kurz, aber heftig. Über einhundert Mann von Baldwin müssen ihr Leben lassen, bevor die Ägypter besiegt sind.

Weitere drei Tage später wird die zweite Armee erreicht. Al Mutawakkil Hosni ist ein erbitterter Gegner und lässt seine Truppen bis zum letzten Mann kämpfen, obwohl sich die Niederlage bereits früh abzeichnet. Nach fünf Tagen ist die Angriffswelle der Ägypter vernichtet.

Wahrscheinlich nur die Erste.

A
ntiochia, Sommer Anno Domini 1182

Neues von der Ostfront:
Die Ehre wurde ihm zuteil. Unsere Hoheit Bohemund schickt seinen erfahrenen General Guiot de Bordeaux und seine Mannen in die Schlacht zur Ostfront. Allem voran marschiert der Glaube in das Land der Ungläubigen. Ein langer und beschwerlicher Weg erwartet unsere tapferen Männer. Ein scheinbar schwieriges dennoch nicht aussichtsloses Unterfangen.
Möge das Glück uns hold sein.

A
gnes hatte die Botschaft Ihres Vaters verstanden.

Die Enthüllungen von PoDo waren Wasser auf den Mühlen der Polen-Zerteiler. Sie wusste, dass es bei den Teutonen, Deutschen und Dänen Bestrebungen gab, das Königreich aufzuteilen. Selbst die Lithauer oder Russen hätten mitgemacht – so sie denn genügend Militär hätten aufbringen können. Handeln war jetzt das Gebot der Stunde!

Sie brach die Ungarnreise ab, kehrte zurück nach Polen und beriet sich nahe Krakau mit ihrem Vater. Die Beschlüsse waren eindeutig:

  • die diplomatischen Kapazitäten werden erhöht
  • ein Gesandter wird gen Italien gesandt
  • Priester haben sich an Grenzübergängen einzufinden und dort die Neuankömmlinge zu untersuchen
  • 5 neue Wachtürme werden in den Grenzregionen im Osten und Westen aufgestellt
  • weitere Truppen werden ausgehoben
  • Visby hat im nächsten Sommer zu fallen

Die Zeit wird zeigen, ob dies weise war.

A
bgelehnt, so ein Narr!” schäumte Baldwin. “Ich habe es bereits vermutet, die Ägypter heucheln ihre so oft proklamierte Friedensnähe letztlich nur” antwortete Guy. “Die Grenze wird befestigt. Ich schlage zusätzlich zu dem vorgezogenen Fort noch einen Wachturm vor. Nicht, dass Spione oder gar Truppen auch nur einen Fuß in unser Land setzen könne, ohne dass wir es mitbekommen.”

Bereits wenige Tage später sind die Wachtürme errichtet. Die ägyptischen Truppen an der Grenze ziehen sich zurück. Fast schleicht sich in der Grenzregion ein gewisser Alltag ein, da geht plötzlich und unerwartet eine ägyptische Kaserne in Flammen auf, ein Iman stirbt im Schlaf ebenfalls bei einem Feuer.

Der Krieg hat begonnen.

V
atertag, Christi Himmelfahrt, ein guter Tag für den Regenten, um gemütlich auszuspannen und die Zeitung zu lesen.

Auf der Tafel im königlichen Thronsaal lag die aktuelle Ausgabe von PoDo. Neben Dunja (21), der rassigen Ostmaid aus Krakau, zierte eine reisserische Überschrift die Titelseite. Dort berichtete ein Schmierfink, der angeblich im letzten Sommer als Chronist am königlichen Hof gearbeitet hatte, über Angriffspläne der Regierung gegen seine Nachbarn.

PoDo - das Magazin für unabhängige und regierungskritische Berichterstattung in Polen berichtet über Angriffspläne des polnischen Königs

Polen am Donnerstag deckt Skandal am Königshof auf

Voll von Unglauben las der gute König die Zeitung: …die friedliebenden Bürger von Visby … polnische Angriffstruppen auf dem Vormarsch … geheime Militäroperation in der Ostsee … Gutmensch Wladyslaw zeigt seine hässliche Fratze

Wladyslaw war wütend! Sein kompletter Sicherheitsapparat hatte versagt und zu allem Überfluss hatte der Schmierfink noch nicht einmal Unrecht. Die Katze war aus dem Sack – daran war nichts mehr zu rütteln, selbst mit der Hinrichtung des Verfassers ließe sich die Gerüchteküche nicht mehr beruhigen.

“Schreiber, zu mir” brüllte der König durch die Halle. “Schreibt meiner Tochter Agnes. Richtet ihr aus, ihr Vater braucht Hilfe. Sie soll die Gemüter unserer Nachbarn beruhigen und ihnen versichern, dass wir – sinngemäß – kleine arme Bauernmädchen aus den Händen von Räubern, Mördern und anderen Schurken befreien.”

Noch einmal holte der König Luft: “Und Schreiber, sendet auch Kunde an meinen Sohn Boleslaw. Er befindet sich zur Zeit vor Visby und plant die Befriedung der Stadt. Er möge dem dortigen Pöbel nicht ein Haar krümmen. Und er soll nach seinem Sieg Kunde schicken von befreiten Bauernmädchen, die ihn mit Blumenschmuck überhäuft haben, dankbar ob ihrer Befreiung.”

Als alle Order gegeben und die erste Wut verraucht war, besann sich der König wieder auf die wichtigen Dinge. Schließlich war der als Chronist getarnte Schmierfink nur eine von vielen Bedrohungen, der ein König in diesen Tagen ausgesetzt war. In voller Leibpanzerung, mit einem schottischen Claymore bewaffnet und von seiner Leibgarde eskortiert, machte sich der König auf, ein allerletztes Wort mit dem Chef der Sicherheit zu reden.

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ntiochia, Winter Anno Domini 1181

“Die Situation scheint sich zu entschärfen, meine Hoheit. Captain Ali und das türkische Volk mögen ein Spiel mit uns spielen wollen – denn sie gingen von dannen genauso rasch wie sie zu kommen gemocht haben.” Ein hämischer Applaus schallte im großen Ratesraume und Gelächter machte sich breit unter den Versammelten, als die Worte des Kundschafters ausgeprochen waren.

“Haltet ein und lasst eure Sinne nicht vernebeln von dem vielen Suff” schrie Bohemund.
“Unterschätzt niemals den Feind und seid wachsam an jedem Tag – es könnte gar eurer letzter sein. Wir müssen nun klaren Kopf bewahren und zunächst die Gefahr aus dem Osten eleminieren. Unsere Truppen habe den Weg frei gemacht und die Schlacht gegen lausiges Rebellenpack bei Edessa für sich entscheiden können. Das sollte uns Mut und Kraft geben um den Glauben selbst bis an die östlichste Grenze zu transportieren. Mögen wir unsere Kräfte sammeln um in Edessa eine Streitmacht zu stellen, die unseres Bestrebens gerecht werden soll.
Gleichwohl vergesst nicht den Willen unseres Volkes diplomatische Beziehungen mit den Volke der Ägypter aufzusuchen.”

Die Ratsmitglieder tösten Beifall und erhoben sich von den Stühlen. “So soll es sein, Hoheit” tönte es im Saal und die Worte wurden sogleich mit klirrenden Suffeskelchen besiegelt.

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ailand, Winter Anno Domini 1181

“Mein König, wir müssen euch Truppenbewegungen unseres Feindes vermelden. Dietrich von Saxony zieht bei Bologna eine größere Truppe zusammen, allerdings ist bisher unklar, ob sie zur Verteidigung der Stadt oder – Gott behüte – gegen unsere Städte eingesetzt werden soll.”

“Verstärkt unsere Truppen und haltet mich über weitere Truppenbewegungen des Feindes auf dem Laufenden.”

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olen, Sommer Anno Domini 1181

“Schickt diesen elenden Chronisten gefälligst nach Hause” bellte König Wladyslaw seine Dienerschaft an. Der erste Kammerdiener erhob seine Stimme: “Herr, wenn der Chronist nichts zum schreiben hat, dichtet er sich vielleicht etwas zusammen. Dann könnte auch Kunde von eurer Krankheit nach Außen gelangen…”

Wladyslaw sah rot! Seit Tagen lag er mit Krämpfen im Bett, nicht wissend, ob dies ein letzter Gruß seiner teutonischen Nachbarn oder nur ein Mitbringsel seines Enkels Leszeks war. Er riss sich zusammen und dachte an die Staatsräson, ein aufgeschlitzter Geschichtsschmierfink würde am Hof für allerhand Verwunderung sorgen. “Berichte dem Chronisten, dass wir zwei Rebellenheere niedergeworfen haben, eines der Heere wurde von einem General angeführt. Berichte weiterhin, dass wir gute Handelsverträge mit Ungarn und Dänemark geschlossen haben und das nun Friede mit den Russen herrscht.”

Der Kammerdiener nickte und verließ zufrieden und erleichtert den Raum.

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ntiochia, Sommer Anno Domini 1181

Das Feuer im alten Kaminzimmer knisterte und reflektierte ein magisches Licht in das Antlitz Bohemunds. An dem mit Kratzern übersehten, schweren Versammlungstisch saß er zu Kopf mit seinen Generäle und schmiedete die nächsten Pläne zum Wohle des Fürstentums. Plötzlich knarrte die große Tür mit einem Donnerschlag auf und ein kalter Wind erfüllte den Raum. Es war ein aufmerksamer Kundschafter Bohemunds, der sofort um das Wort bat um von seinen Neuigkeiten zu berichten. Bohemund nickte. “Sprecht teurer Freund von Antioch – Was treibt den Schweiße der Angst auf Eure Stirn?” “Meine Hohheit habt Dank. Gar furchtbare Nachrichten habe ich Euch zu übermitteln. Im Norden habe ich leibhaftig den Einmarsch des türkischen Erzfeindes in unserer geheiligtes Fürstentum beobachten können. Captain Ali führt eine gewaltige Streitmacht in unserer Hoheitsgebiet….Er…”
Bohemunds Stimme brach los wie der Donner aus einer Fluh und er schrie: “Ali – dieser Narr. Verstärkt die Mauer von Antioch. Schickt Späher und Verstärkung aus dem Süden. Er soll einen würdigen Empfang erhalten! Lasset diese Ketzer nicht in unserer Land und unseren Glauben brechen.”

Bohemund grübelte einen Moment über die große Gefahr, die die türkischen Erzfeinde für die Zukunft seines Reiches darstellten. “Gibt es denn keine positiven Nachrichten zu verkünden, Kundschafter?” “Oh Herr, ich vergass Euch von den Erfolgen unserer Diplomaten zu erzählen. Wir stehen kurz vor einer Allianz mit dem Volke des Papstes. Unserer Glaubensmission hat uns zu einem sehr guten Ansehen bei unserem christlichen Anführer verholfen.”

Bohemund nickte mit einem leicht freudigerem Blick. “Geht nun fort. Ich ziehe mich in meine Gemächer zurück.”

M
ailand, Sommer Anno Domini 1181

Es ist fast Mittag und die Sonne steht hoch am Himmel. In den engen Gassen Mailands ist es fast unerträglich heiß. Plötzlich wird die Stille durch Hufgetrappel unterbrochen. Ein polnischer Botschafter ist auf dem Weg zum Königshof.

Dort angekommen, wird er sofort eingelassen und übergibt einen Brief der Prinzessin Agnes von Polen an einen Boten des Königs. Dieser macht sich sofort auf den Weg zum Thronsaal. Währenddessen wird der polnische Botschafter mit Speis und Trank versorgt.

Inzwischen ist der Botschafter im Thronsaal angekommen. Er verbeugt sich vor seinem König und spricht: “Mein König, soeben hat uns ein Brief der polnischen Prinzessin erreicht.” Daraufhin überreicht er den Brief . Dieser öffnet sofort den versiegelten Brief. … Anliegen der friedliebenden Christen … sendet einen geschickten Verhandler …

“Botschafter, geht sofort los und entsendet unseren Diplomaten nach Bologna. Er soll dort Friedensverhandlungen mit dem Heiligen Römischen Reich führen. Er soll keine Zeit verlieren und nach seiner Rückkehr umgehend Bericht erstatten.”

Wenige Tage später …

Der Diplomat Nicola de Ferraria ist aus Bologna zurück und erstattet dem König bericht. “Am Hofe der Deutschen wurde ich von Ihrem Stadthalter Dietrich von Saxony nur widerwillig empfangen. Euer großzügiges Angebot eines Friedensvertrages ohne weitere Forderungen wurde von ihm ohne mit der Wimper zu zucken abgelehnt.”

Duke Gorgio lässt daraufhin sofort den königlichen Rat einberufen. Zusammen wird über die neuen Nachrichten beraten und ein Brief ausgearbeitet. Daraufhin wird der polnische Botschafter einbestellt. “Eilt zu Eurer Prinzessin und überreicht Ihr diesen Brief des königlichen Rates.”

Kurz darauf erreicht eine weitere Nachricht den Königshof: Zwischen den Papststaaten und Mailand wurde ein Handelsvertrag ausgearbeitet. Sofort macht sich ein Händler auf den Weg in den Vatikan. Der Adelsrat ist hoch erfreut über die diplomatischen Beziehungen zu den Papststaaten und spendet eine Einheit Speer-Milizen.

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gnes war wütend. “Wenn das Reich mit Polen handeln will, kostet das 2.000 Goldstücke” schnaubte die Prinzessin.

Die Verhandlungen mit den Bücklingen des Kaisers waren zäh und wenig ergiebig. Als Mittags die Prozedur unterbrochen wurde, trat ein Bote aus Mailand an Agnes heran. Das Pergament war gesiegelt, die Insignien des Herrn von Mailand waren unschwer zu erkennen. Erfreut ob der unerwarteten Abwechslung stürzte sie sich auf das Schreiben: Mit Freude stellen wir fest … keinesfalls alleine gegen den Kaiser … Krieg … Erfolgsaussichten auf ein Friedensabkommen eher gering … bitte vermitteln.

Agnes verhandelt in Prag

Ein kurzes Lächeln umspielte ihre Mundwinkel, dann legte sie das Dokument auf den brennenden Holzscheit im Kamin. Mit fester Stimme befahl sie ihrem Adjudanten, die Deutschen erneut kommen zu lassen. So würde es gehen, sie hatte einen Plan.

“Werte Herren, ich bin sicher, Sie alle haben von dem Boten aus Mailand gehört, der mir heute Kunde brachte. Ich reise morgen früh ab, bis dahin können Sie es sich überlegen: Entweder zahlt das Heilige Römische Reich die Lächerlichkeit von 500 Goldstücken für vier Halbjahre oder wir werden unsere Grenze zum Reich abriegeln. Wenn der Kaiser den Wikingern, Franzosen, Milanesen und seinem zuverlässigen östlichen Nachbarn zugleich vor den Kopf stoßen will, ist dies seine Entscheidung. Guten Tag.”

Tags darauf verließ Agnes von Polen mit Ihrem Tross die Stadt Prag. Sie ritten nach Süden, sowohl Mailand als auch Wien waren auf diesem Wege erreichbar. Zufrieden strich ihre Hand über den Handelsvertrag, den der deutsche Statthalter ihr kurz vor der Abreise unterschrieben hatte. Es fehlte nur noch ein Detail. 

Sie rief einen Boten. “Geh und bringe diese Botschaft zum königlichen Rat in Mailand. Übergebe sie persönlich und bleibe dort, bis du eine Antwort erhälst. Möge der Herr mit dir sein.”

*
gähn*

Che palle – wie e langweilige iste dieses Jahr gewesen! Mamma mia, nur baue und Espressi trinke. Papst wolle handle, iche auch. Dieser Spielzug iste eine Flasche leer! Ich habe fertig.

Avanti avanti!

H
o, öffnet die Tore!” Die Wache zuckt zusammen. Es ist ein Dezembermorgen, die Luft ist noch kühl und diesig. Die Sonne wird frühestens in einer Stunde aufgehen. Hat die Wache richtig gehört? Es ist in der Dämmerung noch keiner zu sehen. “Wer da?” ruft die Wache in die Dunkelheit. Die Antwort kommt prompt zurück: “Alon, Kundschafter des Königs. Macht das Tor auf, ich habe wichtige Kunde.” Es ist Alon, die Wache reagiert sofort und die Tore öffnen sich lautstark durch den frühen Tag.

Eine Stunde später sind König Baldwin und sein Bruder Guy in der großen Halle. Baldwin sieht seinem Bruder tief in die Augen. “Du weißt, was das bedeutet, nicht wahr?” Guy nickt kaum merklich. In seinen Ohren klingen immer noch die Worte ihres Vaters, als er kurz vor seinem Tode mit ihnen sprach. Er erzählte von seiner Vorstellung eines friedlichen Lebens in den Ländern von Jerusalem. Doch davon scheinen sie bald weit entfernt zu sein.

“Wir versuchen noch einmal mit Ihnen zu reden.” Guy ist zwar erleichtert über die Worte seines Bruders, aber er weiß, wie gefährlich die Ägypter sind. “Trotzdem sollten wir unsere Truppen im Süden verstärken!” – “So sei es, und ich werde selbst aufbrechen und die Truppen anführen. Es ist besser, wir präsentieren unsere Stärke mit Fingerspitzengefühl. Ich will nicht, dass ein nervöser Captain unser Land in den Krieg zieht.”

Noch vor der Mittagsstunde brechen König Baldwin und die königliche Truppe von Jerusalem auf. Sie folgen der Diplomatendelegation, die bereits zwei Stunden früher in die Grenzregion im Süden aufgebrochen ist…