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A
gnes war wütend. “Wenn das Reich mit Polen handeln will, kostet das 2.000 Goldstücke” schnaubte die Prinzessin.

Die Verhandlungen mit den Bücklingen des Kaisers waren zäh und wenig ergiebig. Als Mittags die Prozedur unterbrochen wurde, trat ein Bote aus Mailand an Agnes heran. Das Pergament war gesiegelt, die Insignien des Herrn von Mailand waren unschwer zu erkennen. Erfreut ob der unerwarteten Abwechslung stürzte sie sich auf das Schreiben: Mit Freude stellen wir fest … keinesfalls alleine gegen den Kaiser … Krieg … Erfolgsaussichten auf ein Friedensabkommen eher gering … bitte vermitteln.

Agnes verhandelt in Prag

Ein kurzes Lächeln umspielte ihre Mundwinkel, dann legte sie das Dokument auf den brennenden Holzscheit im Kamin. Mit fester Stimme befahl sie ihrem Adjudanten, die Deutschen erneut kommen zu lassen. So würde es gehen, sie hatte einen Plan.

“Werte Herren, ich bin sicher, Sie alle haben von dem Boten aus Mailand gehört, der mir heute Kunde brachte. Ich reise morgen früh ab, bis dahin können Sie es sich überlegen: Entweder zahlt das Heilige Römische Reich die Lächerlichkeit von 500 Goldstücken für vier Halbjahre oder wir werden unsere Grenze zum Reich abriegeln. Wenn der Kaiser den Wikingern, Franzosen, Milanesen und seinem zuverlässigen östlichen Nachbarn zugleich vor den Kopf stoßen will, ist dies seine Entscheidung. Guten Tag.”

Tags darauf verließ Agnes von Polen mit Ihrem Tross die Stadt Prag. Sie ritten nach Süden, sowohl Mailand als auch Wien waren auf diesem Wege erreichbar. Zufrieden strich ihre Hand über den Handelsvertrag, den der deutsche Statthalter ihr kurz vor der Abreise unterschrieben hatte. Es fehlte nur noch ein Detail. 

Sie rief einen Boten. “Geh und bringe diese Botschaft zum königlichen Rat in Mailand. Übergebe sie persönlich und bleibe dort, bis du eine Antwort erhälst. Möge der Herr mit dir sein.”

L
eszek stand am Fenster, eine Träne lief über seine Wange. “Großvater, warum muss Tante Agnes uns verlassen?”. Der Sohn des Sohnes König Wladyslaws war noch jung an Jahren und wusste nichts von politischen Ränken, Intrigen, Verträgen und Geheimbünden. Sein Großvater, König der Polen und selbst noch recht jung an Jahren, rang nach einer Antwort.

“Leszek, deine Tante Agnes, meine liebe Tochter, sie ist alt genug um an meiner statt mit unseren Nachbarn zu reden. Sie wird am Hofe in Prag, als Gast des Deutschen Kaisers, erwartet. Sie wird Wien und Buda sehen und Handelsbeziehungen zu den Deutschen und Ungarn aufnehmen. Das ist Ihre Bestimmung, Sie ist eine Prinzessin.”

Mit gebotener Demut näherte sich der Sekretär des Königs. “Eine Abordnung des Teutonischen Ordens ist soeben eingetroffen. Sie fragen an, ob eure Majestät bereit seien, Ihnen Handelsrechte zu gewähren?”. Von Kindheitstagen an waren Wladyslaw die Deutschritter unheimlich, Begegnungen mit Ihnen vermied er so gut er es vermochte. “Bestelle dem Herrn der Teutonen, dass wir seiner Bitte entsprechen. Und da wir die größeren Handelsposten und längeren Straßen unterhalten müssen, wird er es sicher verstehen, dass wir Ihm für das Handelsprivileg 1.000 Goldstücke abverlangen müssen.” Der Sekretär nickte. “Das wird er, eure Majestät. Das wird er.”