Posts Tagged ‘Bohemund’

I
m Sommer 1218 AD verfasste König Zbigniew einen Brief an Antiochias großen Feldherren Francis. Die Depesche reiste im Verborgenen und wurde abseits der offiziellen diplomatischen Kanäle zugestellt. Und das stand geschrieben:

“Mein lieber Francis,

ich schreibe Euch in dieser schwerer Stunde, da sich die Allianz auf Messers Schneide befindet. Es war der Wunsch des Großen Herren Bohemund, dass Ihr eines Tages das geliebte Fürstentum führen solltet. Heute ist euer Lehensherr dabei, Euer Erbe zu entwerten und mit dem Fürstentum einen diplomatischen Irrweg zu beschreiten.”

König Zbigniew setzte die Feder ab und sann vor sich hin. Damals, mit Bohemund an seiner Seite, wäre eine solche Situation undenkbar gewesen. Mit dem alten Schlachtross verstand sich der gute König der Polen stets gut. Roger hingegen wurde nicht ohne Grund der Hinterlistige genannt, wohlgemerkt von seinem eigenen Umfeld. Es war eine Schande, dass dieser Mann vor Francis in der Erbfolge stand. Der König fuhr fort…

“Francis, die Ländereien Spaniens und Nordafrikas sind zu klein für das Wachstum von Jerusalem, Venedig und Antiochia. Eine der Mächte muss zum Wohle der anderen weichen. Ich bin der Ansicht, diese Rolle fällt Antiochia zu. Ihr seid militärisch stark, wirtschaftlich gut entwickelt und könnt im Ausgleich Kompensation von Venedig und Jerusalem fordern.”

Erneut machte Zbigniew eine Pause, er schaute angestrengt. Polen war in keiner Weise von den Streitigkeiten in Spanien oder Nordafrika betroffen, dennoch fühlte sich der König als Vertreter einer Großmacht dafür verantwortlich, dass die Allianz gemeinsam prosperieren konnte.

“Wenn Ihr Prinz Roger überzeugen könnt, statt Afrika gen Britannia zu ziehen, so will ich Antiochia mit besten Kräften unterstützen. Konkret biete ich euch an, dass Polen für Antiochia einen Brückenkopf in Europa schaffen wird. Ihr erhaltete von mir eine Siedlung in der Nähe Britannias, von wo aus Antiochia seine Expansion starten kann. Ähnliche Unterstützung könntet Ihr vielleicht auch durch Mailand erfahren, so es denn verhandelt wird. Für eine Übergangszeit würden Venedig und Jerusalem sicherlich auch Gelder an Antiochia abführen, um den Aufbau Antiochias in Europa zu unterstützen.”

Der Herr der Polen setzte den Federkiel ab und seufzte. Er konnte dem jungen Francis nur die Tür offen halten, durchgehen würde dieser selber müssen. Zbigniew hoffte, dass Roger ihm nicht im Wege stehen würde. Falls doch, würden die Herren der Lagune und die des Tempelberges mit Antiochia direkt verhandeln müssen – oder ein Windhundrennen um die besten Ländereien lostreten.

I
m Winter 1215/1216 AD vernahm jedermann und jedefrau im Westen Polens große Geschäftigkeit. Vom ersten Schock ob Teutonias Stärke erholt, sammelte sich das Reich und bereitete den Totalen Krieg gegen Teutonia vor. Und das ward zu berichten…

Burgen zu Städten

Im Osten Polens, auf den Gebieten der ehemaligen Mongolei, wurden auf Geheiß des Königs die Burgen Christburg und Ryazan zu Städten umgebaut. Blühende Landschaften, Handel und Fröhlichkeit sollten das Bild vom “neuen Osten” prägen. Ein Hoch auf unseren Visionär, König Zbigniew!

Bohemunds Söhne, Polen braucht euch!

In der Hafenstadt Kutais, am ehemaligen polnischen Brückenkopf zu Mongolias Südgrenze, ersucht in diesem Halbjahr der örtliche Truchsess offiziell die Hilfe Antiochias. Er sandte einen Boten ins Fürstentum, um dort die missliche Lage zu verkünden. In Kutais kommen die Christen auf keinen grünen Zweig – und Polen vermag es nicht aus eigener Kraft, genügend Priester in die Stadt zu bringen. Würde Antiochia den Polen in dieser schweren Stunde beistehen und Bohemunds letzten Willen, einem starken Bündnis zwischen den beiden Staaten, einmal mehr zur Geltung verhelfen?

Wachstum außer Kontrolle

Pawol der Ehrenwerte, ein erfahrener und zutiefst loyaler Haudegen des Königreichs, meldete in diesem Halbjahr ebenfalls Probleme aus dem tiefen Osten Polens. In der Stadt Bulgar am Ostrand ist – wider erwarten – das Bevölkerungswachstum völlig außer Kontrolle geraten. Trotz hoher Steuern und sichtbaren Kriegsschäden wächst die Bevölkerung rapide. Ernährungs- und Hygieneprobleme bereiten der örtlichen Administration bereits große Sorge. Beten wir, dass nicht erst die Pest das Wachstum stoppt.

Spanien soll wieder in den Club

Das diplomatische Außenamt Polens musste in diesem Halbjahr Verhandlungen mit einer spanischen Prinzessin im polnischen Hohheitsgebiet abbrechen, da in der gegenwärtigen Situation keine sinnvollen diplomatischen Handel möglich erschienen. Das Außenamt empfiehlt, dass der Allianzrat seine Bündnisse einheitlich gestalten sollte.

Bekommt Jerusalem Stützpunkt in Nordeuropa?

“Warum können diese Leute vom Tempelberg ihre Verhältnisse nicht ordnen?” polterte König Zbigniew durch den Thronsaal, als er den Rapport des Außenamtsleiters empfing. “Mein Gott, ist es denn wirklich so schwer, die Allianz mit Teutonia zu kündigen?” Der aufs äußerste erregte König gab wenig auf seine Berater, die ihm glauben machen wollten, Jerusalem hätte schlichtweg keine Diplomaten vor Ort. Nicht in Paris, nicht in London, nichtmal in Frankfurt, Danzig oder sonstwo in Nordeuropa. Diese akute Unterrepräsentanz war einer Großmacht des Nahen Ostens unwürdig, befand der König. “So richtet denn dem Herrn vom Tempelberg aus: wenn er einen Stützpunkt in Nordeuropa sucht, wird Polen ihm eine Region im Tausch für eine gleichwertige Siedlung geben. Gesprochen und verkündet!”

Schlachthaus Marienburg

Die letzte teutonische Stadt auf Kontinentaleuropa ist die Festung Marienburg. Schätzungsweise 1.200 Hornhelmträger stehen hier hinter dicken Festungsmauern unter Waffen. Um Marienburg herum formiert Polen seinen Truppen – und plant den Angriff in zwei bis drei Halbjahren. Gut 3.200 Mann werden bis dahin vor Ort sein, angeführt von König Zbigniew höchstpersönlich. Sogar Kronprinz Leszek erwägt eine Teilnahme am Unternehmen “Fleischwolf”.

Kalmar in Gefahr

Im äußersten Nordwesten des polnischen Staatsgebiets holt unterdessen Teutonia zum Gegenschlag aus. Zwei schwer bewaffnete Heere sind auf dem Weg zu einer der größten Städte Polens, der Handelsstadt Kalmar. Kalmar ist eine große und reiche, aber leider auch militärisch unterentwickelte Stadt. Die örtliche Administration hat zwar jede Menge Truppen dort versammelt, jedoch zumeist nur einfache Speerträger oder Bogenschützen. Schwere Zeiten stehen bevor.

Der alte Mann in Rom soll weg

“So sendet denn dies an meinen Freund, den Dogen”, fuhr Zbigniew in Gedanken versunken fort:

  1. Die römische Autorität wird nicht länger von Polen befürwortet. Stattdessen wünschen wir uns, dass Mailand seine Truppen gegen Rom zu Felde ziehen lässt und die klerikale Knute in die Hände des Allianzrates legt.
  2. Polen regt an, dass Venedig den Vorstoß Mailands unterstützt. Im Gegenzug soll Mailand den Venezianern angemessene Unterstützung bei der Eroberung von Siedlungen des Deutschen Reiches leisten.
  3. Solange der Konflikt mit Rom und dem Deutschen Reiche besteht, wird Polen nicht auf einen Krieg gegen Ungarn drängen. Stattdessen soll es Venedig obliegen, den rechten Zeitpunkt zu benennen.
  4. Polen selbst wird innerhalb der nächsten sechs Halbjahre keinen Angriff gegen das Deutsche Reich unternehmen, da zunächst der Krieg gegen Teutonia und später eventuell noch die Befriedung Ungarns durchgeführt werden soll. Die militärischen Kapazitäten genügen für eine Sicherung der polnischen Grenzen zum Reich, nicht jedoch für einen Angriff in dieser Zeit.

I
m Winter 1200 strebte Polen unter der Herrschaft von Prinz Zbigniew nach Großem.

Der Ryazan-Handel

Niemand geringeres als des Königs Lieblingsenkel Leszek hatte den Ryazan-Handel perfekt gemacht. Russland hatte freiwillig einen Brückenkopf tief im Herzen Mongolias geräumt und den Polen überlassen. Die neue Feste stand tief im Osten, mitten im Nirgendwo, abgeschnitten von jedweder Unterstützung. Doch wer glaubt, dass Polen sich vor solch einer Herausforderung drückt, irrt gewaltig. Der Plan zur Erschließung des Fernen Ostens ist angelaufen.

Steppenwolf & Steppenrebellen

Nahe Kutais, dem Brückenkopf Polens an der Grenze zu Antiochia, Mongolia und dem Byzantinium, haben polnische Späher allerlei Rebellenvolk gesichtet. Das Gesocks kommt aus den Bergen im Norden, ganz offenbar sind es mongolische Rebellen und ehemalige Turk-Truppen. Das Königreich Polen ermuntert das Freie Antiochia, den letzten verbliebenen Bergpass mit einer angemessenen Feste zu verschließen.

Andrew bringt dem Byzantinium den Frieden

Nahe Kutais, der Stadt des Himmlischen Friedens, kamen erneut Vertreter des Byzantiniums zusammen, um mit einer europäischen Großmacht über Frieden zu verhandeln. Wie schon sechs Halbjahre zuvor bei den Venezianern winselte das ehemals mächtige Byzantinium auch diesmal um Gnade. Der erfahrene Prinz Andrew von Ungarn und seine geliebte Frau Agnes fackelten nicht lange und machten den Sack zu – und ließen sich den Frieden mit satten Goldtalern bezahlen. Ruhm und Ehre dem polnischen Paar im wilden Osten.

Randnotizen

  • Ein mächtiges Heer steht im Norden des Landes bereit. Es hält Wache gegen Novgorod, die erste Stadt des Pferdeherren nahe der polnischen Grenze.
  • Die polnische Prinzessin Katharzina wurde von ihrem Vater zu einem diplomatischen Praktikum gen Ungarn gesandt. Sobald sie dort Erfahrungen im Umgang mit der Hochdiplomatie gesammelt hat, wird ein geeigneter Gatte von gutem Stand und Charakter gesucht. Vertreter aller Adelshäuser werden ermuntert, Vorschläge für qualifizierte Bewerber bei der polnischen Botschaft nahe Rom abzugeben.
  • Zwei gewaltige polnische Heere bereiten sich auf die Eroberung von Kiev vor. Der finale Schlag ist in drei Halbjahren geplant.
  • Ein Heer unter dem Kommando von Zbigniew, dem Heiligen, steht kurz davor, in russischen Raum einzudringen. Der Prinz der Polen will einen Korridor nach Ryazan freikämpfen.
  • Das Königreich Polen drückt Bohemund, dem weisen und gerechten Herrscher Antiochias, sein tiefes Mitgefühl zum Tode von Guy aus. Bei aller Freude ob des Siegs über die Turk-Menschen verbleibt ein schaler Beigeschmack ob des hohen Preises, der zu entrichten war. Möge Bohemunds Stern noch lange über Antiochias Wüste leuchten.

K
aum ein halbes Jahr ist es her, dass Herr Bohemund von Antiochia seinen Sohn Reynald in der Schlacht um Yerevan verlor. Reynald starb vor den Augen seines Vaters.

Agnes von Polen, ihres Zeichens Spitzendiplomatin im Ruhestand, nahm die Nachricht vom Fall des Reynald zunächst noch gefasst auf. In Polen zeigte sie distanzierte Trauer, bat jedoch gleichzeitig darum, in den Nahen Osten abrücken zu dürfen um sich vor Ort ein Bild der Lage zu machen. Wladyslaw gewährte und Agnes bezog Quartier in Jerusalem.

In Jerusalem war Agnes zunächst ganz Profi. Innerlich stand sie ob des Todes von Reynald noch unter Schock, nach außen hin blieb sie hart. Sie beriet die Regierung auf dem Tempelberg und empfahl sogar einen Angriff im Osten. Als alle Geschäfte getan war, zog sie mit einem kleinen Tross gen Antiochia um dort am Grabe des Prinzen Reynald um ihren Jugendfreund zu trauern.

In einer sternenklaren und ungemütlich-kalten Nacht trottete sie mit ihrer Leibgarde von Jerusalem aus gen Norden. Die Sterne wiesen ihr den Weg durch ein einsames Dorf an der Grenze. Während sie die Siedlung durchquerten, fiel ihr Blick in eine Taverne, in der junge Männer und Frauen ausgiebig lachten und fröhlich becherten. Eine Hochzeitsfeier einfacher Leute war im vollen Gange.

Da wurde es Agnes schwer ums Herz und sie begann zu weinen. Sie dachte an ihren Geliebten Andrew, der in Kürze gegen Mongolia in den Krieg ziehen musste. Sie dachte an ihren ungestümen Bruder Zbigniew, der das Königreich in den Krieg mit Russland führte. Und sie dachte an Reynald, der wegen ein paar Kilometer Land sein Leben lassen musste. Gott! Wie kurzsichtig die Männer doch waren und wie schlimm das Unglück, dass sie über ihre Familien brachten. Dieser Irrsinn musste aufhören. Sie würde handeln!

In Antiochia angekommen sparte sich Agnes den Weg zu Bohemund. “Wahrscheinlich erobert der greise alte Mann gerade mal wieder ein Türkendorf”, dachte sie bei sich. Egal! Sie hatte wichtigeres zu tun. Gemeinsam mit Reynalds engsten Freunden versammelte sie sich auf dem großen Martkplatz in Antiochia und rief zum Widerstand gegen die Expansionspläne von Polen, Jerusalem, Antiochia und den anderen Herrscherhäusern dieser Welt auf. Die Menge hatte Agnes bereits in Herz geschlossen, als die Prinzessin Polens erneut nach vorne trat. Sie ließ Wut und Trauer freien Lauf und erhob die Stimme…

Agnes war mit sich im Reinen, als die Stadtwache Antiochias den Marktplatz umstellte und die Versammlung aufzulösen versuchte. Es kam zu einer blutigen Auseinandersetzung, in deren Verlauf einige Bürger Bohemunds ihr Leben verloren. Nach einigen Minuten beendete Agnes die Intervention und begab sich erhobenen Hauptes in den Gewahrsam der Staatsmacht Antiochias.

K
önig Wladyslaw war entsetzt. Der polnische Geheimdienst hatte zahlreiche neue Beweise vorgelegt, die auf mongolische Gräueltaten im russischen Hinterland schließen ließen.

Kiev, Tzernigov und Novgorod standen unter massiven Druck – und würden bald fallen. Als sei das nicht genug, hatten Wladyslaws Beamte auch noch ermittelt, dass Polen gerade mal 12% der mongolischen Finanzstärke und bescheidene 31% der monoglischen Militärmacht vorweisen konnte. Ein direkter Angriff gegen Mongolia war so nicht möglich.

Doch es kam noch schlimmer. Späher fanden heraus, dass die Mongolen bei der Belagerung von Städten absolut nichts dem Zufall überließen. Allein das Mongolenheer vor Novgorod führte 8 Rammböcke, 4 Einheiten Leiterträger und 4 Belagerungstürme mit sich. Das Novgorod nur einen Steinwurf vom polnischen Riga entfernt liegt, muss an dieser Stelle sicher nicht weiter erwähnt werden.

Als Konsequenz aus diesen Beobachtungen ließ unser guter König Polens Militärpräsenz an der Ostgrenze weiter gut sichtbar sein. Darüber hinaus sandte er ganze Heerscharen von Diplomaten, Spionen und kirchlichen Würdenträgern in die Tiefen Russlands.

Auf dem Weg zur “Ostfront” war auch der polnische Top-Diplomat und Außenminister Mieszko Marosz, von Kennern auch “der 10-Punkte-Mieszko” genannt. Während der Durchquerung des lächerlich kleinen Teutonen-Reiches rang er dem dortigen obersten Helmträger, Ordensmarshall Maximillian, einen mittelschweren vierstelligen Betrag für die beiderseitige Gewährung militärischer Durchmarschrechte ab. Tags darauf führte ihn sein Weg weiter Richtung Vilnius. Seine Mission ist gewagt, aber nicht minder wichtig: Er soll verhindern, dass die Mongolen über die letzte verbliebene lithauische Provinz weiter nach Westen vorrücken können. Zusammen mit Wladys Enkel Leszek und etwa 1.000 Soldaten will er diese Mission bewältigen.

Zu guter Letzt bleibt der Blick nach Antiochia, zur mächtigen Bergfeste Krak de Chevaliers. Das altehrwürdige Kalksteingemäuer im Fürstentum war erneut Schauplatz einer Begegnung von historischer Bedeutung. Die Sonne stand hoch am Himmel, als eine Abordnung des mongolischen Sultans durch das Tal hoch auf den Ausläufer des Alawitengebirges stieg und das mächtige Burgtor durchquerte.

Zur Überraschung Mongolias hatte Bohemund, der gute Herrscher der Christenritter, nur einen Truchsess in der Burg zurückgelassen. Kein Familienmitglied, kein General oder sonstiger Würdenträger stand bereit, um die schlitzäugigen Diplomaten zu empfangen. Außer sich vor Zorn ob dieser Missachtung ihres adligen Standes brachten die gelbstichigen kleinen Menschen ihre Forderung dem Truchsess vor. “Antiochia solle umgehend 220 Goldstücke zahlen oder die Mongolen würden ohne Gnade über die Christenritter herfallen.”

Der namenlose Truchsess wusste, was er zu tun hatte. Natürlich war die Summe von 220 Goldstücken eine Provokation! Wie konnte es sein, dass das mächtige Antiochia für ein Taschengeld vor der gelben Gefahr hätte bewahrt werden können? Nein, die Täuschung der Mongolen war zu leicht zu durchschauen. So antwortete der Truchsess mit fester Stimme: “Bestellt eurem hohen Herrn Sultan, dass unser König Bohemund ihn vor den Toren Krak de Chevaliers erwartet! Dort wird unser Herr sich vor euch tief bücken oder vielleicht sogar knien – denn so klein wie ihr seid ist es uns ja sonst kaum möglich, euch den Kopf abzuschlagen!”

Der rot erzürnte, schlitzäugige Mongolendiplomat stand noch eine ganze Weile verdattert im Audienzsaal, ehe er sich fasste und die Botschaft an seinen Herrn überbrachte. Oh Antiochia, sei stark.

W
ladyslaw war müde von den Ereignissen dieser Tage. Er hatte viel geschafft, doch noch so viel lag vor ihm. Mit einem Glas Wein in der Hand sann er vor sich hin.

Da war zunächst die Hochzeit seines Enkels Leszek, den Sie, lieber Leser, bereits im ersten Absatz des ersten Beitrags der polnischen Geschichtsschreibung in diesem Blog kennengelernt haben. Eine wahrlich schöne Feier, eine wunderhübsche Braut und vor allem eine Festivität, die Wladyslaw nicht zu bezahlen brauchte. Auf der Feier hatte er auch erneut den Dogen von Venedig getroffen. Dieser Spaßvogel behauptete steif und fest, er wäre nicht auf der Hochzeit von Wladys Tochter Agnes gewesen – wahrscheinlich hatte der Alkohol seine Sinne vernebelt.

Weit weniger erfreulich war Wladyslaws Zeit mit den Mongolen. Nachdem sich der gute König ausgiebig beraten hatte, entschied er sich schweren Herzens für Bündnisverhandlungen mit den gelbhäutigen Schlitzaugen. Er wollte fair bleiben und schlug eine Allianz bei gegenseitigem Kartenaustausch vor. Die Mongolen willigten ein.

Kurze Zeit darauf erschien ein Bote des Khan und brachte das ersehnte Kartenmaterial. Wladyslaw staunte nicht schlecht, als er das fadenscheinige Stück künstlerisch fixierter Geographie sah. Mongolia bestand offenbar aus acht Provinzen, wobei viele von ihnen von besonders großer Ausdehnung waren. Außerdem wurde seine Vermutung bestätigt, dass die Schlitzaugen bereits östlich des Schwarzen Meeres vorgerückt waren. Damit war es offiziell: Antiochia wurde lediglich durch zwei türkische Provinzen vom mongolischen Reich getrennt. Das waren üble Neuigkeiten für seinen Freund Bohemund.

Als Reaktion auf die neue Bedrohungslage ordnete der gute König an, dass die Sicherung der Ostgrenze vorangetrieben werden sollte. Soldaten aus dem Kernland wurden verlegt und sogar ein befestigter Kommandoposten wurde an der Grenze zu Lithuania ausgehoben. Er wollte kein Risiko eingehen – auch wenn ihm seine neuen Alliierten tausendmal versichern würden, dass ihre Reiterstaffeln niemals auf polnischem Boden einträfen.

Zu allem Übel gab es neben den Mongolen auch ein – quasi – innenpolitisches Problem zu bewältigen. Auf polnischem Staatsgebiet hielten sich in diesen Tagen nahezu alle Völker Europas auf, jedes auf seine Art. Attentäter, Priester, Diplomaten, Generäle mit und ohne Heer und sogar ein paar exkommunizierte Schotten drehten ihre Runden um Danzig – der Hauptstadt des polnischen Königreichs. Diese Entwicklung missbilligte Wladyslaw, hatte er doch nur den Dänen erlaubt, sein Reich zu durchqueren. So war er auch hier gezwungen Truppen zu sammeln und außerdem noch eine Blockade der Ostsee anzuordnen. Er war damit nicht glücklich.

D
er gute König Wladyslaw trat entschlossen vor die Abgeordneten der Stände Polens. Er hatte ihnen etwas zu sagen, was keinen Aufschub duldete.

“Verehrte Standesführer, Gildenmeister, Obermeister”, er räusperte sich. Er würde es ihnen hier und heute ganz offen verkünden – die Nachricht musste überbracht werden.

“In meiner Einschätzung sind wir insgesamt auf dem Wege, in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Größe, mit dieser Außenhandelsabhängigkeit, auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren – zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch negativ auf unsere Chancen zurückschlagen, bei uns durch Handel Arbeitsplätze und Einkommen zu sichern. Alles das soll diskutiert werden – und ich glaube, wir sind auf einem nicht so schlechten Weg.”

Die Vertreter der Stände hatten seine Worte gehört, aber offenbar noch nicht begriffen. Wladyslaw wusste, was zu tun war.

“Meine Herren Standesfürsten, was ich meine ist: Die Städte Skara und Arensburg sind von Rebellen besetzt und somit destabilisiert. Das muss Enden! Mein Sohn Boleslaw führt in diesen Tagen ein Herr gegen Kalmar, General Bohemund wird in Kürze gegen Arensburg ausrücken. Die Stände mögen sich über neue Handelsposten und Warenlieferungen freuen und bis dahin unsere offensive Aussenhandelspolitik durch erhöhte Abgaben unterstützen.”

Zufrieden verließ Wladyslaw die Sitzung. Er hatte noch einen wichtigen Termin vor sich, immerhin kam vor wenigen Tagen das zweite Kind seines Erstgeborenen zur Welt. Er konnte es kaum erwarten die kleine Katharzina in seine Arme zu schließen. Eines Tages, wenn er sich zur ewigen Ruhe gesetzt und Bohemund König von Polen wäre, würde Katharzina von Polen eine Prinzessin und ihrer Tante Agnes eine würdige Nachfolgerin sein. Der gute König lächelte.

A
ntiochia, Winter Anno Domini 1181

“Die Situation scheint sich zu entschärfen, meine Hoheit. Captain Ali und das türkische Volk mögen ein Spiel mit uns spielen wollen – denn sie gingen von dannen genauso rasch wie sie zu kommen gemocht haben.” Ein hämischer Applaus schallte im großen Ratesraume und Gelächter machte sich breit unter den Versammelten, als die Worte des Kundschafters ausgeprochen waren.

“Haltet ein und lasst eure Sinne nicht vernebeln von dem vielen Suff” schrie Bohemund.
“Unterschätzt niemals den Feind und seid wachsam an jedem Tag – es könnte gar eurer letzter sein. Wir müssen nun klaren Kopf bewahren und zunächst die Gefahr aus dem Osten eleminieren. Unsere Truppen habe den Weg frei gemacht und die Schlacht gegen lausiges Rebellenpack bei Edessa für sich entscheiden können. Das sollte uns Mut und Kraft geben um den Glauben selbst bis an die östlichste Grenze zu transportieren. Mögen wir unsere Kräfte sammeln um in Edessa eine Streitmacht zu stellen, die unseres Bestrebens gerecht werden soll.
Gleichwohl vergesst nicht den Willen unseres Volkes diplomatische Beziehungen mit den Volke der Ägypter aufzusuchen.”

Die Ratsmitglieder tösten Beifall und erhoben sich von den Stühlen. “So soll es sein, Hoheit” tönte es im Saal und die Worte wurden sogleich mit klirrenden Suffeskelchen besiegelt.