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m Jahre 1194 AD stand Europa am Abgrund. Die katholischen Mächte Norwegen und Teutonia bekämpften sich ohne Gnade, Sizilien griff Venedig an, die Mauren standen vor Mailand, die Mongolen belagerten die Russen. Es war furchtbar.

Der höfischen Gesellschaft zu Danzig kam es in diesen Tagen gerade recht, dass Prinz Banaszak endlich eine passende Braut freite. Trotz Krieg und Verderbnis schalteten die Menschen in Polen für einige Tage um – und freuten sich über das junge Glück. Möge es lang und kinderreich sein.

Im Osten Polens hätte man gerne mitgefeiert, wenn nicht der Truchsess der Ostburg die oberste Alarmstufe ausgerufen hätte. Die Mongolen hatten mit einem Spähtrupp die Grenze Polens überquert, offenbar um sich ein Bild von den örtlichen Gegebenbeiten zu machen.

Zu allem Überfluss hatte sich Prinz Andrew just in diesem Moment mit einem Gutteil der Truppen der Ostburg zur Unterstützung Antiochias aufgemacht. So stand die Ostburg nahezu ohne Besatzung dar, als der Pferdeherr seine Späher kreisen lies.

Während man im Osten gebannt auf die Grenze starrte, vollzog Prinz Zbigniew, Thronfolger des guten Königs Wladyslaw, die Umgestaltung der polnischen Nordost-Grenze. Zusammen mit seinem Sohn Leszek, General Przemysl und über 2.000 Soldaten erstürmte er die letzte Feste des Großherzogs Vaisvilkas von Lithuania.

Der Angriff auf Lithuania erledigte zwei Probleme mit einem Streich. Zum einen war das Dauerärgernis Lithuania vom Tisch – immerhin lagen zahlreiche Nationen der zivilisierten Welt mit diesem Volk im Krieg. Darüber hinaus war ein Schwachpunkt im Kampf gegen die Mongolen beseitig – ein toter Herrscher konnte nicht mehr Vasall des Pferdeherren werden. Großherzog Vaisvilkas starb gemeinsam mit seinen Männern.

Im Gefecht um die Dominanz an der Nordostgrenze ließen viele Männer auf beiden Seiten ihr Leben. Polen büßte an disem Tage fast 1.000 tapfere Soldaten ein. Diejenigen, die überlebten, trugen Narben an Knochen und Seele davon. Es waren keine schönen Zeiten, damals, in Nordeuropa.

Als sich der Schlachtenlärm senkte und die polnischen Truppen mit der Sicherung des Schlachtfelds begannen, entdeckten die Soldaten die zerschundene Leiche des tapferen Generals Przemysl. Er war der Anführer der zweiten Heeresgruppe und gehörte zur ersten Welle, die in die schwer befestigte Burg Lithuanias eindrang. Prinz Zbigniew sprach zu seinen Männern und sagte ihnen, dass Polen nun für alle Zeit dieses Land verteidigen müsse damit General Przemysl nicht umsonst gefallen sei.

Wenige Tage darauf übernahmen die polnischen Beamten das Ruder in der vormals letzten Provinz Lithuanias. Das Steuer- und Justizwesen wurde übernommen, Infrastrukturmaßnahmen geplant, eine Kirche beauftragt, Truppen aufgestockt und vieles mehr. Der Bevölkerung wurde klar: Lithuania war vernichtet, Polen ist jetzt an der Macht.

“Bürger Russlands, seht auf diese Stadt” rief Polens Chefdiplomat Miszko Marosz nahe Smolensk dem dortigen Stadtrat zu – und zeigte am Horizont auf die Rauchsäulen der ehemals letzten Provinz Lithuanias. Der findige Außenminister des guten Königs Wladyslaws machte keinen Hehl aus der Gewaltbereitschaft des ponischen Thronfolgers… und außerdem erinnerte er die Russen daran, dass sie mit den Mongolen bereits genügend Probleme hätten. Die Russen wiederrum wollten Frieden mit Polen, hatten sie doch ohne Not vor 4 Halbjahren dem guten König wegen einer ausgebliebenen Schutzgeldforderung den Krieg erklärt. Wladyslaw willigte nach langen Verhandlungen ein, mit den Russen seinen Frieden zu machen. Er gab ihnen sogar Kartenmaterial und Bargeld mit – im Tausch gegen gerade einmal zwei Städte, die die Russen über kurz oder lang sowieso an die Mongolen verloren hätten.

Auf dem Fuße folgte die Friedenserklärung der Russen. Formal hatte Wladyslaw an der Ostgrenze nun Ruhe – war er doch weiterhin mit den Mongolen verbündet und mit den Russen zumindest nicht im Krieg. Er war schon sehr gespannt, wie lange die Ruhe halten würde.

Nach all den schrecklichen Ereignissen und Schlachten nahm Wladyslaw mit dem Papst Kontakt auf. Wlady wollte wissen, wie der Heilige Stuhl zu den Verfehlungen Siziliens und Teutonias stand. Zu seiner Überraschung stellte der gute König der Polen fest, dass der Papst das Verhalten dieser beiden Aggressoren billigte – was ein nahezu unfassbares Zugeständnis des Papstes war. Fast hätte Wladyslaw selbst mit dem Papst gebrochen, hätte dieser ihn nicht auch darauf hingewiesen, dass ab sofort wieder die Möglichkeit zum Ausrufen eines Kreuzzugs bestehen würde. Wladyslaw nahm sich vor, diese Information in Kürze mit dem hohen Allianzrat zu besprechen.

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er Krieg gegen Lithauen lief schlecht.

General Przemysl, der mit seinen Mannen aus Ostburg gen Norden gerittet war, musste eine schwere Niederlage verkraften. Keine hundert Mann waren aus seinem stolzen Kreuzfahrertrupp verschont worden, der Rest lag tot vor und in Vilnius. Auf Geheiß von Prinz Zbigniew, dem Thronfolger Wladyslaws, hatte Przemysl seine Leute in den sicheren Tod geführt – einzig nur um Vilnius zu schwächen.

Immerhin: nachdem Przemysl die Lithauer geschwächt hatte, konnte der junge Prinz der Polen einen heroischen Sieg gegen die Ungläubigen einfahren. Es war zwar nur eine Feldschlacht, aber sie ging zugunsten der guten Polen aus. Das anschließend Lithauen mit einem gut tausend Mann starkem Heer nachsetzte und den Prinzen zum Rückzug zwang, entging der Aufmerksamkeit des guten König Wladyslaws – offenbar dem vorangegangenem Siegestaumel geschuldet.

Da verwundert es den aufmerksamen Beobachter auch nicht, dass am Hofe im friedlichen Danzig unser General Boleslaw endlich das heilige Sakrament der Ehe der Freifrau Katarziny Wos spendete. Bei Wein und Gesang feierte der Hof, während im hohen Norden Europas Polens Söhne für das Kreuz marschierten.

Es waren keine schönen Tage, damals, im Norden Europas.

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rieg! In Seinem gelobten Namen sollen sie ausziehen, die Ungläubigen zu richten und die Gläubigen zu prüfen. Niemand geringeres als Seine Heiligkeit der Papst verkündete heute, dass die ständigen Grenzscharmützel der Lithauer mit den armen teutonischen Hornhelmträgern ein Ende finden müssten. Die gläubigen Fürsten dieser Welt sind aufgerufen, sich dem Heiligen Kreuzzug der Christen gegen die gottlosen Lithauer anzuschließen.

Europas Nordmächte, allen voran der gute König Wladyslaw, signalisierten dem Heiligen Stuhl ihre Zustimmung. Polen sammelt Truppen in Krakau, Prömsel und der Ostburg, die in Kürze unter General Przemysl den Süden Litauens befrieden sollen. Unterdessen werden auch in Arensburg Truppen massiert, eine Befreiungsmission in Nordlithauen wird vom Thronfolger Polens persönlich kommandiert. Oh welch’ düstre Zeiten, die wir hier durchstehen müssen.

Während die Strategen Polens Aufmarschpläne verfassen, kam es in Ostburg zu einem diplomatischen Treffen der besonderen Art. Ein Abgesandter Antiochias, dem heiligen Staat der Kreuzfahrer, hatte die türkischen Truppen und die bösartigen Byzantiner ausgetrickst, Ungarn unbehelligt durchquert um schließlich im Reiche unseres guten Königs Wladyslaws anzukommen. Obwohl der Abgesandte und der König einander nie begegnet waren, umarmten sie sich wie gute Freunde, tranken Wein, sangen Lieder, lobten den Herrn und schmiedeten Pläne.

In den Geschichtsbüchern wird man in einigen Jahren zu diesem Treffen nachlesen, dass der Abgesandte Antiochias den König der Polen dazu inspirierte, einen Kreuzzug im Osten Europas zu unterstützen. Nicht lesen wird man hingegen, dass König Wladyslaw sich ob dieser guten Idee mit satten 1.000 Goldstücken bei dem Abgesandten bedankte. Ja, so war er, der gute König Wladyslaw.