Posts Tagged ‘Mailand’

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ie Nachricht aus Italien breitete sich wie ein Lauffeuer in Polen aus. “Respekt, Respekt” dachte König Leszek bei sich im Stillen. Die Idee, eine handvoll englische Städte für immerhin 215.000 Goldstücke zu kaufen, hätte auch von Polen stammen können. Aber die Chuzpe zu besitzen, diesen Plan zu verhandeln und den Vertragspartner unmittelbar danach einfach auszulöschen, das trug wahrlich die klare Handschrift der italienischen Fraktion in der Allianz.

Da das englische Festland nun sowieso in Aufruhr ist, befahl Leszek umgehend die Invasion des schottischen Teils der Insel. Im kommenden Halbjahr ist die Übernahme von drei bis vier Siedlungen geplanten.

Darüber hinaus teilt die Admiralität Polens mit, dass der Zugang zur Ostsee dauerhaft für alle Nicht-Allianz-Schiffe gesperrt ist. Hiervon betroffen ist derzeit hauptsächlich eine schottische Flotte…

Leider muss Polen vermelden, dass die Iren sich offenbar auf einem Irrweg befinden. Jedenfalls platzierte Irland ohne Vorwarnung eine erhebliche Streitmacht vor den Toren von Kanalstadt.

F
assungslos schnaubt König Leszek im Thronsaal zu Danzig hin und her. “Kann mir mal einer erklären, was mein mailändischer Freund eigentlich will” fauchte der erregte König seinen Beratern entgegen. Wortloses Schweigen. “Herrje, wenn er Probleme mit dem alten Mann hat, soll er ihm Geld geben. Oder noch besser: soll er seinen Feldzug doch einfach ordentlich zu Ende führen anstatt ihn jahrelang hinzuziehen. Wenn man’s gleich richtig macht, muss man es nicht zwei Mal machen.”

Zu guter Letzt einigte man sich im Thronsaal darauf, die Empfehlung “es doch gleich richtig zu machen” nicht an den Herzog von Mailand zu übermitteln. Stattdessen lies Polen ausrichten, dass man den Mailändern finanziell gegen Rom in jedweder Höhe aushelfen würde, wenn es denn nötig werden sollte. So mancher in Polen fragte sich allerdings, was von der italienischen Politik ob dieses Briefes zu halten sei… und es verwunderte niemanden bei Hofe, dass das Volk auf seine Weise auf dieses Schreiben reagierte:

httpv://www.youtube.com/watch?v=JgwmLtfutj0

Zum Ende des Jahres bleibt außerdem noch festzustellen, dass die spanische Stadt Granada den Mauren entrissen und an Antiochia gefallen ist. Der Rat der Allianz beglückwunscht Antiochia zum erfolgreichen Eintritt auf die iberische Halbinsel.

D
ie Stadt der Liebe war es, die im Jahre 1226 von Prinzessin Ysabelle Harfford aus Jerusalem aufgesucht wurde. Dort fand sie allerlei attraktiven Männerschlag vor, Franzosen, Milanesen und buntes Volk aus Europa. So kam es, dass sich die junge Prinzessin in einen Feldherren Mailands verguckte – und ihn kurzerhand für sich behalten wollte. Was dann jedoch folgte, war ein gesellschaftlicher Skandal, wie ihn das Königreich vom Tempelberg bisher nicht kannte.

Das Amt für Auswärtige Angelegenheiten war in dieser Sache für die Presse bisher nicht zu sprechen. Ob die gescheiterte Romanze der jungen Prinzessin Auswirkungen auf die politischen Beziehungen zu Mailand hat, lässt sich heute noch nicht einschätzen.

P
rinz Andrew von Ungarn verweilte mal wieder in Jerusalem, um dort die Geschicke des Landes zu verwalten. “Himmel”, dachte sich der alte Mann, als er eine Depesche seines Königs Leszek empfing. Er überflog die Zeilen rasch “… sende Hilfe nach Antiochia … Bronisad braucht dich … Rebellen allerorten … Kutais soll ebenfalls marschieren …”. Der polnische Herrscher hatte offenbar vor, Antiochia auf breiter Front militärisch zu unterstützen. “Na gut”, sprach Andrew zu seinen Generälen. “Wir sind hier die Allianz also stehen wir auch zusammen. Auf geht’s, von Kerak aus soll eine ordentliche Streitmacht dem jungen Bronisad und seinen Freunden in Antiochia zur Seite springen. Zack zack!”

In Gedanken verloren diktierte Andrew noch ein paar Depeschen. Ein Marschbefehl für Kutais, ein Dankschreiben an Mailand für die priesterliche Unterstützung in Tunis und eine Aktennotiz für den Allianzrat, dass ebenfalls in Tunis ein halbes Kreuzfahrerheer desertiert ist. Letzteres war keine schöne Sache, aber leider unvermeidlich. Andrew konnte keine Truppen aus Tunis abziehen ohne das die Stadt sofort rebellisch würde. Eine Zwickmühle war es, dieses Nest namens Tunis.

Zu guter Letzt legte Andrew dem Allianzrat noch ein Dokument mit dem neuesten Stand aus Sijilmasa, dem Ziel des laufenden Kreuzzugs, vor. Die Spanier haben offenkundig das maurische Städtchen erreicht und belagern es. Aufgrund der militärischen Übermacht mag es sein, dass der Kreuzzug in einem Halbjahr vorbei ist.

K
önig Leszek war außer sich vor Zorn! Grad erst kurze Zeit war vergangen, als polnische Truppen Seite an Seite mit Antiochia die Verräter in Sarkel zur Strecke bringen sollten. Ein stattliches Heer brachte Polen binnen kürzester Zeit an die Front, doch in diesem Halbjahr brach der Kontakt zur Truppe ab. Lediglich fahrendes Volk und ein paar Händler berichteten davon, dass Sarkel von Antiochia eingenommen wurde. Was mit den Polen geschah geschweige denn ein Wort dazu, wie sich die Truppen Leszeks in der Schlacht schlugen, blieb von offizieller Seite unerwähnt. Leszek war darüber nicht amüsiert.

Rebecca soll gehen

Unser gemeinsamer Freund, der Papst, sprach in diesen Tagen in Polen vor und bat um eine ungewöhnliche Mission. Ein Weibsbild mit Namen Rebecca, wohnhaft im Lande Mailand, solle von der polnischen Geheimpolizei liquidiert werden. Da Polen über keine Aufklärungseinheiten so tief in Freundesland verfügt wird hiermit um Information darüber ersucht, wer diese Frau kennt und was es ihr vorzuwerfen gibt.

I
m Sommer 1218 AD verfasste König Zbigniew einen Brief an Antiochias großen Feldherren Francis. Die Depesche reiste im Verborgenen und wurde abseits der offiziellen diplomatischen Kanäle zugestellt. Und das stand geschrieben:

“Mein lieber Francis,

ich schreibe Euch in dieser schwerer Stunde, da sich die Allianz auf Messers Schneide befindet. Es war der Wunsch des Großen Herren Bohemund, dass Ihr eines Tages das geliebte Fürstentum führen solltet. Heute ist euer Lehensherr dabei, Euer Erbe zu entwerten und mit dem Fürstentum einen diplomatischen Irrweg zu beschreiten.”

König Zbigniew setzte die Feder ab und sann vor sich hin. Damals, mit Bohemund an seiner Seite, wäre eine solche Situation undenkbar gewesen. Mit dem alten Schlachtross verstand sich der gute König der Polen stets gut. Roger hingegen wurde nicht ohne Grund der Hinterlistige genannt, wohlgemerkt von seinem eigenen Umfeld. Es war eine Schande, dass dieser Mann vor Francis in der Erbfolge stand. Der König fuhr fort…

“Francis, die Ländereien Spaniens und Nordafrikas sind zu klein für das Wachstum von Jerusalem, Venedig und Antiochia. Eine der Mächte muss zum Wohle der anderen weichen. Ich bin der Ansicht, diese Rolle fällt Antiochia zu. Ihr seid militärisch stark, wirtschaftlich gut entwickelt und könnt im Ausgleich Kompensation von Venedig und Jerusalem fordern.”

Erneut machte Zbigniew eine Pause, er schaute angestrengt. Polen war in keiner Weise von den Streitigkeiten in Spanien oder Nordafrika betroffen, dennoch fühlte sich der König als Vertreter einer Großmacht dafür verantwortlich, dass die Allianz gemeinsam prosperieren konnte.

“Wenn Ihr Prinz Roger überzeugen könnt, statt Afrika gen Britannia zu ziehen, so will ich Antiochia mit besten Kräften unterstützen. Konkret biete ich euch an, dass Polen für Antiochia einen Brückenkopf in Europa schaffen wird. Ihr erhaltete von mir eine Siedlung in der Nähe Britannias, von wo aus Antiochia seine Expansion starten kann. Ähnliche Unterstützung könntet Ihr vielleicht auch durch Mailand erfahren, so es denn verhandelt wird. Für eine Übergangszeit würden Venedig und Jerusalem sicherlich auch Gelder an Antiochia abführen, um den Aufbau Antiochias in Europa zu unterstützen.”

Der Herr der Polen setzte den Federkiel ab und seufzte. Er konnte dem jungen Francis nur die Tür offen halten, durchgehen würde dieser selber müssen. Zbigniew hoffte, dass Roger ihm nicht im Wege stehen würde. Falls doch, würden die Herren der Lagune und die des Tempelberges mit Antiochia direkt verhandeln müssen – oder ein Windhundrennen um die besten Ländereien lostreten.

E
s ward am späten Abend des Pfingstsonntages 1218 AD, als König Zbigniew im Kreise seiner engsten Angehörigen sinnierte. “Wir brauchen einen gemeinsamen Plan für Europa, meine Freunde. Die jüngsten Nachrichten aus dem Allianzrat lassen mich glauben, dass eine unkontrollierte und überhastete Expansion der fünf Großmächte zum Schaden aller ist. So hört euch denn den folgenden Plan an.”

Zbigniew machte eine bedächtige Pause, holte noch einmal tief Luft und erklärte sein Manifestum Europa: “Ziel des Manifestums ist, alle fünf Großmächte der Allianz in einer gemeinsamen Strategie zu vereinen. Alle Länder dieser Welt sollen unter den Großen 5 aufgeteilt werden. Zunächst sind das die Länder Europas, anschließend die des amerikanischen Kontinents. Gehen wir es der Reihe nach durch.”

Das Fürstentum Antiochia

  • Antiochia erhält im tiefen Osten die Siedlungen Azov und Kutais kostenfrei überantwortet
  • Gleichzeitig übergibt Antiochia seine nordafrikanischen Besitztümer ohne Gegenforderung an Jerusalem
  • Anschließend erhält Antiochia die Insel Irland sowie den größten Teil der Insel England, gemeint ist Mittelengland, als sein Lehen

Die Republik Venedig

  • Venedig überantwortet Azov kostenfrei an Antiochia
  • Venedig übernimmt die Osthälfte Ungarns, gem. Absprache mit Polen
  • Venedig erhält die iberische Halbinsel als Lehen und soll fürdahin die einzige Macht auf der Insel sein

Das Königreich Jerusalem

  • Jerusalem erhält von Antiochia kostenfrei dessen Ländereien in Nordafrika
  • Jerusalem erhält den nordafrikanischen Kontinent als Lehen
  • Jerusalem erhält die Aufgabe, die maurische Gefahr ein für allemal zu bannen

Das Herzogtum Mailand

  • Mailand übernimmt Rom und entledigt Europa des Heiligen Stuhls
  • Weiterhin befriedet Mailand die Ländereien Frankreichs
  • Es übernimmt den südlichen Teil des Heiligen Römischen Reiches
  • Und erhält die englischen Ländereien auf dem Kontinent sowie die Länder Südenglands als Lehen

Das Königreich Polen

  • Übergibt die Siedlung Kutais kostenfrei an Antiochia
  • Befriedet die dänischen, norwegischen und teutonischen Ländereien Skandinaviens
  • Übernimmt den Nordteil des Heiligen Römischen Reiches
  • Und erhält außerdem die Nordspitze Englands als Lehen

Das freie Amerika

  • Jedem Mitglied der Allianz ist ein militärischer Eingriff in Amerika erst dann gestattet, wenn es seinen Verpflichtungen aus diesem Manifest vollständig nachgekommen ist
  • Der Zugriff auf Amerika selbst ist darüber hinaus nicht limitiert, ein jeder möge ob seiner Fähigkeiten dort nach eigenem Gusto agieren

“Der tiefere Sinn dieses Manifests, ist die geregelte Expansion aller fünf Allianzmächte. Natürlich mag es noch Gesprächsbedarf geben und vielleicht muss auch ein Grenzverlauf neu gezogen werden, doch darum geht es nicht. Es geht um eine gemeinsame Strategie, um eine Vision dafür, wie Europa in 20 Halbjahren auszusehen vermag. Dass, meine Herren, ist der tiefere Sinn dieses Manifests.”

Bis in die späte Nacht hinein berieten sich Zbigniew und seine Getreuen, ehe Boten zu sehr später Stunde aufbrachen um die Nachricht im Allianzrat zu verbreiten. Wie wohl würden die Verbündeten reagieren, König Zbigniew war gespannt.

E
ine Woche war seit dem heiligen Vatertag vergangen. Eine Woche war es her, seit König Wladyslaw das letzte Mal in Ruhe Zeitung gelesen hatte.

Erschöpft von der Siegesfeier ob der Befriedung von Kalmar sank der gütige Herrscher in seinem Thron zusammen, sich nach Ruhe und einer Zeitung sehnend. Er schwang die Füße hoch und griff beherzt zu PoDo, der polnischen Zeitung, die zu jedem Thema eine Meinung hat. Neben Olga, 19, zierte diesmal seine Tochter Agnes die Titelseite. Das fing ja gut an…

Agnes im Strudel der Gefühle

PoDo berichtet vom Skandal um Prinzessin AvP

Unser guter König überflog die Zeitung: Agnes … im Strudel der Gefühle … Affäre …. posen in Posen …. der deutsche Michel sticht zurück … Deutschland fällt über Polen her

“Schreiber, zu mir!” donnerte der König. “Richtet meiner Tochter aus, sie möge sich gefälligst in der Öffentlichkeit zusammenreissen. Und meldet Hauptmann Banaszak, er möge die Redaktionsräume von PoDo niederbrennen. Außerdem sendet Nachricht zu meinen Freunden in Mailand. Sie sollen Ausschau halten nach einer deutschen Prinzessin namens Agnes. Sagt ihnen, es kann nur meine Agnes geben. Sie wissen dann schon, was zu tun ist.”

A
gnes war wütend. “Wenn das Reich mit Polen handeln will, kostet das 2.000 Goldstücke” schnaubte die Prinzessin.

Die Verhandlungen mit den Bücklingen des Kaisers waren zäh und wenig ergiebig. Als Mittags die Prozedur unterbrochen wurde, trat ein Bote aus Mailand an Agnes heran. Das Pergament war gesiegelt, die Insignien des Herrn von Mailand waren unschwer zu erkennen. Erfreut ob der unerwarteten Abwechslung stürzte sie sich auf das Schreiben: Mit Freude stellen wir fest … keinesfalls alleine gegen den Kaiser … Krieg … Erfolgsaussichten auf ein Friedensabkommen eher gering … bitte vermitteln.

Agnes verhandelt in Prag

Ein kurzes Lächeln umspielte ihre Mundwinkel, dann legte sie das Dokument auf den brennenden Holzscheit im Kamin. Mit fester Stimme befahl sie ihrem Adjudanten, die Deutschen erneut kommen zu lassen. So würde es gehen, sie hatte einen Plan.

“Werte Herren, ich bin sicher, Sie alle haben von dem Boten aus Mailand gehört, der mir heute Kunde brachte. Ich reise morgen früh ab, bis dahin können Sie es sich überlegen: Entweder zahlt das Heilige Römische Reich die Lächerlichkeit von 500 Goldstücken für vier Halbjahre oder wir werden unsere Grenze zum Reich abriegeln. Wenn der Kaiser den Wikingern, Franzosen, Milanesen und seinem zuverlässigen östlichen Nachbarn zugleich vor den Kopf stoßen will, ist dies seine Entscheidung. Guten Tag.”

Tags darauf verließ Agnes von Polen mit Ihrem Tross die Stadt Prag. Sie ritten nach Süden, sowohl Mailand als auch Wien waren auf diesem Wege erreichbar. Zufrieden strich ihre Hand über den Handelsvertrag, den der deutsche Statthalter ihr kurz vor der Abreise unterschrieben hatte. Es fehlte nur noch ein Detail. 

Sie rief einen Boten. “Geh und bringe diese Botschaft zum königlichen Rat in Mailand. Übergebe sie persönlich und bleibe dort, bis du eine Antwort erhälst. Möge der Herr mit dir sein.”